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WingTsun-Welt Online

Porträt Volker Martin

Sifu Volker Martin

5. Meistergrad


Schule(n) in: Sulzbach, Dudweiler, Friedrichsthal, Saarbrücken

Schulleiter seit: 1995

 

Motto:

WingTsun ist die Verbindung zwischen geistiger Haltung und körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Ziel ist es, beides miteinander zu verbinden.

Warum hast du mit WingTsun angefangen?

Bevor ich mit WingTsun fing, hatte ich, im Gegensatz zu vielen meiner WT-Kollegen nichts mit Kampfsport am Hut gehabt. Auch Bruce Lee und andere Kampfkunstschauspieler interessierten mich nie. Als ich 1987 als Polizeibeamter anfing, kam ich zum ersten Mal in meiner Ausbildung mit Kampfsport (JuJutsu ) in Kontakt. JuJutsu empfand ich damals schon als ungeeignet für die Polizei. Das Sammelsurium von irgendwelchen unrealistischen Techniken ließ bei mir das Interesse an Selbstverteidigung nicht unbedingt größer werden.
Da ich aber wusste, dass ein Polizeibeamter sich in Gefahrensituationen verteidigen muss, begann ich, Kickboxen zu trainieren. Ich glaubte damals, beruflich unerfahren wie ich war, dass ich etwas Adäquates gefunden hätte, um mich in meinem Job sicherer fühlen zu können.
Nach nur zwei Jahren Kickboxerfahrung wurde ich durch einen Kollegen, der WT trainiert hatte, wieder eines Besseren belehrt, indem wir uns körperlich maßen. Unser Zweikampf war schnell entschieden, indem er mir die Nase blutig schlug. Das hing aber auch damit zusammen, dass ich nicht nur theoretisch von allem überzeugt werden musste, sondern meistens auch körperlich.
Also trainierte ich parallel EWTO-WingTsun bei meinem damaligen Sihing Kurt Metzler. Und wiederum war es die körperliche Auseinandersetzung mit meinen Kickboxkollegen, die mich zum Umdenken bewegte. Als ich Stoppfußstöße im Kickboxtraining gegen Fußtritte ausprobierte und meine Boxhandschuhe auszog, um meinen Gegner besser schlagen und halten zu können, erntete ich nur Unverständnis gepaart mit der Aussage, dass ich unsportlich wäre.
Das war genau das, was ich suchte. Ich wollte nicht fair und sportlich sein, sondern mich im gesetzlich zulässigen Rahmen verteidigen können. Die Erkenntnis für mich: „Ich brauche eine Selbstverteidigung, die sich im gesetzlich zulässigen Rahmen bewegt und bei der Fairness keine Rolle spielt.“
Ich wurde ein WingTsunler.

Warum machst du immer noch WingTsun?

Kurz und knapp: Ich habe aufgrund meines Interesses für Selbstverteidigung und auch meiner beruflichen Tätigkeit wegen schon viele Selbstverteidigungs-„Systeme“ gesehen und ausprobiert. Ich habe eben noch nichts Besseres gefunden …

Und nun zur Antwort, warum ich EWTO-WT trainiere:
Ich bin begeistert und überzeugt davon, dass unser System ständig weiterentwickelt werden muss. Sowohl GM Kernspecht als auch alle anderen Großmeister leben dafür. Das steht außer Zweifel. Die EWTO ist offener geworden, viele sind gegangen und vieles ist auch besser geworden in unserer großen EWTO-Familie!

Welches war dein herausragendes WT-Erlebnis?

Wer sich schon ernsthaft zur Wehr setzen musste, war nachher enttäuscht darüber, dass er vielleicht nicht die „Techniken/Sachen“ anwandte, die er im WT-Unterricht gelernt hatte. Das Erlebnis ist, dass man vielleicht einfach richtig reagiert hat und eine gewisse Gelassenheit an der Tag legte, die man ohne das realistische Training nicht hätte. Diese Erkenntnis ist für mich herausragend und bestätigt mich, in dem, was ich mache.

Was änderte sich für dich, als du den 1. HG bzw. den 5. MG erhalten hattest?

Der 1. HG oder damals Technikergrad war wirklich von Techniken geprägt. Ich wurde von zwei kampfstarken Lehrergraden geprüft, die beide schon lange nicht mehr in der EWTO sind. Auf den 5. MG prüfte mich mein SiFu GM Kernspecht. Die Prüfungen kann man nicht mehr mit dem vergleichen, was damals verlangt wurde. Gott sei Dank! Kampfstärke sollte man in den ersten Lehrergraden beweisen. Willensstärke braucht man, um dann auch weiterzumachen. Ich glaube, ich war damals genauso stolz, den 1. Lehrergrad erreicht zu haben, wie später den 5. MG. Beide Graduierungen stehen für einen Abschluss (vom Schülergrad zum Lehrergrad) und einen Beginn (vom Lehrergrad zum Meistergrad).
Für meine Schüler blieb ich der Gleiche!