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WingTsun-Welt Online

Porträt Giuseppe Schembri

GM Giuseppe Schembri

9. Großmeistergrad, 5. Meistergrad Escrima


Mitgeschäftsführer der EWTO

Magister der Sportpädagogik

Landestrainer Schweiz und Liechtenstein

Schulleiter seit: 1983

 

Motto:

WingTsun ist für mich, die Freude an sich zu arbeiten.

Warum hast du mit WingTsun/Escrima angefangen?

Ich war von klein auf interessiert an China und damit auch an den Kampfkünsten. Schon als 8-Jähriger sah ich den ersten KungFu-Film im Kino. Als ich 12 Jahre alt war, kam der erste Film von Bruce Lee heraus. Da wusste ich schon, dass ich das machen wollte. Als 13-Jähriger schrieb ich in der Schule bei Berufswunsch: KungFu-Lehrer. Ich steckte damals mein ganzes Taschengeld in Bücher und Informationen über Bruce Lee. Ich kaufte mir sogar einen Anzug. Ich kaufte alles, was es zu kaufen gab. Dabei las ich, dass er WingTsun mache. Das gab es aber nirgends in meiner Nähe. Schließlich las ich in einer Zeitschrift, dass SiFu Kernspecht in Kiel WingTsun anbot. Es war ein Bericht über Leung Ting. Da wusste ich, dass ich das lernen wollte. Doch ich war noch zu jung. Ich konnte mir nur die angegebenen Bücher bestellen. Dadurch bekam ich dann allerdings immer die Rundschreiben und es wurde auch ein Kalender mitgeschickt. Als ich endlich 16 war, fuhr ich zum ersten Mal nach Kiel zum Lehrgang.

Es war das erste Mal, dass ich allein irgendwo hinfuhr. Ich hatte also aus einem unerfindlichen Interesse an China, die Begeisterung für WingTsun entdeckt.

Warum machst du immer noch WingTsun/Escrima?

Ich möchte mein Wissen weitergeben. Und WingTsun macht mir einfach Freude. Ich sehe, dass ich immer weiterkomme – auch oder gerade durch das Unterrichten. Ich teile gern mein Wissen, so wie ich es verstanden habe. Der Aspekt der Selbstverteidigung für mich selbst spielt keine große Rolle mehr. Klar, weiß ich, dass gerade für Anfänger die Selbstverteidigung im Vordergrund steht. Aber darüber hinaus gibt es noch viel mehr.

Mir gefällt auch, dass ich mit so vielen Menschen in Kontakt komme. Wenn es nur um Kämpfen ginge, dann wüsste ich nicht, ob ich WingTsun noch machte. Aber es geht um so viel mehr. Trotzdem ist WingTsun erst einmal wichtig für die Selbstverteidigung. Dafür muss man aber nicht 30 Jahre und länger trainieren. Da reichten ein bis zwei Jahre.

Welches war dein herausragendes WT-Erlebnis?

Als mich meine Schüler in der Schweiz bei einem Lehrgang von SiFu mit einer Feier zum 5. Meistergrad überraschten. Sie schenkten mir sogar eine Reise nach Hongkong mit einer Übernachtung im Peninsula-Hotel. Das war ein riesen Erlebnis. Und total überraschend!

Was änderte sich für dich, als du den 1. HG bzw. den 5. MG erhalten hattest? Wie war es, als du zum Großmeister ernannt wurdest?

Der 1. TG, heute 1. HG, war damals das Nonplusultra. Es gab nur wenige Leute, die diese Graduierung erreicht hatten. Ich war sehr stolz. Auch wenn ich wusste, dass es jetzt erst richtig losgehen würde. Es war eine riesige Freude, den Lehrergrad erreicht zu haben.

Als ich den 5. MG erhielt, gab es auch noch nicht so viele Meister wie heute. Es war eine besondere Graduierung. Mir war klar, dass damit viel Verantwortung verbunden ist und ich noch mehr an mir arbeiten muss.

Der Großmeistertitel 9. MOA verstärkte dieses Gefühl, eine verantwortungsvolle Position zu haben, noch enorm. Mir wurde klar, dass jetzt noch mehr Leute auf mich schauten und ich eine große „Vorbild-Funktion“ übernähme. Und das betrifft nicht nur die Kampfkunst, sondern das ganze Leben. Irgendwie ist man damit eine Person des öffentlichen Lebens. Es geht für mich auch darum, mehr als nur Kämpfen zu vermitteln.