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WingTsun-Welt Online

Porträt Gernot Redondo

Sifu Gernot Redondo

5. Meistergrad


Schule(n) in: Innsbruck

Schulleiter seit: 1989

 

Motto:

Konsequente und trotzdem menschliche Selbstverteidigung auf allen Ebenen und für alle Situationen, eingebettet in einen vollkommenen philosophischen „Weg“ der lebenslangen Arbeit an sich selbst. – Das ist für mich WingTsun.

Warum hast du mit WingTsun angefangen?

Schon als Kind interessierte mich immer die Selbstverteidigung. Nach Jahren des Kampfsporttrainings kaufte ich das Buch „Vom Zweikampf“ und dachte mir: „Wenn das stimmt, was der Verfasser schreibt, ist WingTsun das, was ich immer gesucht habe. Nach zwei Tagen Unterricht bei GM König, damals noch 2. Lehrergrad, wusste ich, das WT das Richtige ist. Zwei Monate später besuchte ich meinen ersten Lehrgang mit SiFu in Bregenz, dem noch viele weitere folgen sollten. Die Effizienz und Durchsetzungskraft seiner Bewegungen waren ungeheuer beeindruckend, die Klarheit und Logik in seinen theoretischen Erläuterungen faszinierend.
Einen weiteren Faktor stellte schon damals die Professionalität dar, mit der das Erlernen der Kampfkunst WingTsun möglich gemacht wurde: ein klares Programm für die Schüler, regelmäßig Gelegenheiten, Lehrgänge zu besuchen, um so als „Externer“ – wie ich – Know-how zu erarbeiten. Dies nicht nur im technischen Bereich, denn GM König erklärte mir schon in unserer ersten Trainingspause klare Konzepte, um eine eigene Arbeitsgemeinschaft zu gründen und weiterzuentwickeln und in weiterer Folge WingTsun zum Nebenberuf aufzubauen. Heute ist aus diesen Vorschlägen das komplexe, bis ins Kleinste durchdachte Leadership-Programm geworden.

Escrima als Waffen-Kampfkunst war die logische Ergänzung zum WT. Der erste Lehrgang bei GM Bill Newman war genau so intensiv wie der bei GM Kernspecht, die Begeisterung zum „Stöckekreuzen“ sofort tief eingebrannt. Auch hier war die Effizienz des Kämpfens einfach nur beeindruckend.

Warum machst du immer noch WingTsun?

Beides sind in ihrem Wesen „echte“ Kampfkünste, die ein Arbeiten an sich selbst bis zum letzten Atemzug ermöglichen und verlangen, womit sie den Weg zur persönlichen Vervollkommnung darstellen. Daher ist Aufhören keine Option für mich.

In diesem Zusammenhang steht aber auch die Kampfkunstfamilie der EWTO, die durch ihr Wesen dieses ständige Weiterentwickeln erst ermöglicht. Wie wenig nur der Einzelne erreichen und entwickeln kann, im Gegensatz zu einer Organisation, die jeden fördert und Impulse aus verschiedensten Richtungen gern aufnimmt. Die EWTO ist wirklich so strukturiert, das jeder Schüler und jede Schülerin im napoleonischen Sinn den Marschallstab im Tornister trägt. Vergangen sind die Helden und Einzelkämpfer meiner EWTO-Jugend, geblieben und groß geworden sind die gemeinschaftlich denkenden Teamworker, die nicht nur den eigenen Erfolg suchen, sondern auch Freude am Erfolg der anderen haben und diese auch gern unterstützen.

Die kumulierten Fähigkeiten aller sind das Erfolgsgeheimnis der EWTO, entwickelt unter der Leitung von GM Kernspecht, der sich wirklich nie gescheut hat, heilige Kühe zu schlachten und noch viel mehr, der immer wieder die eigenen Fehler sucht, offenlegt und neu anzufangen bereit ist. Der Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wie in die Fähigkeiten seiner Schüler vorlebt und dem Verband so eine stabile Entwicklung auf breiter Basis ermöglicht.

Auf jedem Lehrgang trifft man Trainingskameraden, die über die Jahre zu Familie geworden sind. Achtung und Rücksichtnahme sind die Basis zum gemeinsamen Üben, wobei man sich dann durchaus auch ohne allzu großes Verletzungsrisiko ordentlich hauen kann!

Zu guter Letzt ist die Arbeit als Kampfkunstlehrer sehr erfüllend. Es macht Freude, mit Menschen allen Alters zu arbeiten und sie auf ihrem Weg im Leben ein wenig zu unterstützen. Mit dem Wissen der wachsenden Verteidigungsfähigkeiten wächst der Mut zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und zu einem selbstbestimmteren Leben. Dies immer wieder aufs Neue erleben zu dürfen, ist ein Privileg des Kampfkunstlehrers.

Für Escrima habe ich nach vielen Jahren der Familienpause endlich wieder Zeit gefunden. Mit diesem tollen Lehrerteam üben zu dürfen, macht einfach Spaß und die Straffung der Programme unter GM Bill Newman mit ihrer Wendung hin zu echter Klingenkampfkunst, gibt dem Escrima eine ganz neue Note. Klar, direkt und effizient bewegt man verschiedenste Hieb- und Stichwaffen. Die Funktionalität ist extrem gewachsen.

In diesem Sinne ist es auch für das eigene Weiterkommen spannend, beide Kampfkünste auszuüben, da über die Jahre das Bewegen und Fließen der Kraft sich gegenseitig ergänzen und stärken.

Welches war dein herausragendes WT-Erlebnis?

Natürlich hatte ich in diesen 28 Jahren verschiedenste Begegnungen und Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Die vielen Lehrgänge auf Schloss Langenzell, in Italien oder Teneriffa, die liebevolle Aufnahme in Wien und Küsnacht bei meinen SiHings, Skifahren mit GM Bill in den Tiroler Bergen und die Einladungen von GM Kernspecht zu Ausbilder-Abendessen in italienischen Restaurants bleiben unvergessen. In kleinster Gruppe GM René Latosa zu erleben, für GM Leung Ting vor Hunderten Schülern zu dolmetschen und dafür mit einigen Privatunterrichtsminuten belohnt zu werden, sind genauso Highlights meiner EWTO-Zeit, wie die vielen hundert Stunden, die ich mit meinen Schülern und Schülerinnen auf den Straßen und Schienen auf der Fahrt zum nächsten Seminar verbracht habe.

Aber mein wirklich herausragendes EWTO-Erlebnis passiert regelmäßig aufs Neue, sobald ich, egal wohin, zu Seminaren oder Lehrgängen fahre und dort die verschiedensten Lehrer und Trainingskameraden treffe. Die Freude sich wieder zu sehen, oft nach langen Jahren, das gegenseitige Vertrauen und das Gemeinschaftsgefühl sind unschlagbar! Diese „Kampfkunst-Familie“ macht unseren Verband erst zu dem Besonderen und Herausragenden, wie er es ist.

Was änderte sich für dich, als du den 1. HG bzw. den 5. MG erhalten hattest?

In meinen ersten EWTO-Jahren gab es nur Arbeit und Training, und so schaffte ich es auch, meinen 1. Lehrergrad in Mindestzeit zu absolvieren. Zur Vorbereitung gehörten unter anderem damals 1000 Kettenfauststöße und 450 Tritte am Wandsack als tägliches Pensum! Als angehender WT-Lehrer war es auch mehr oder weniger Pflicht, so schnell wie möglich diese Graduierung zu erreichen.

Als Meister des WT gab es zu jener Zeit nur GM Kernspecht. Selbst einmal zum Meister ernannt zu werden, war in meiner Vorstellung unerreichbar.

So war meine Graduierung zum 5. MG im Mai 2009 nicht nur die Erfüllung eines Traums, sondern auch eine große Ehre und ein großer Vertrauensbeweis. Das GM Kernspecht Begriffe meiner theoretischen Arbeit ins Unterrichtsprogramm übernahm, empfand ich als „Tüpfelchen auf dem i“. Zum Kreis der Meister in der EWTO zu gehören, bedeutet noch immer etwas Besonderes für mich, das Verantwortung und Verpflichtung dem Verband und seinen Mitgliedern wie auch mir selbst gegenüber gleichermaßen darstellt.

Das Schönste ist dabei die Aussicht auf viele weitere Jahre des Übens und der Weiterentwicklung, wie die Großmeister und fortgeschrittenen Meister der EWTO es zeigen und vorleben.