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WingTsun-Welt Online

Porträt Andreas Petke

Sifu Andreas Petke

5. Meistergrad


Schule(n) in: Lindau/Bodensee

Schulleiter seit: 1995

 

Motto:

WingTsun ist für mich Entspannung, Abkehr vom Alltag, SV-Fähigkeit, aber vor allem persönliche Entwicklung. Ich bestimme, wen ich in mein näheres Umfeld lasse.

Warum hast du mit WingTsun angefangen?

Anfangs war sicher der Selbstverteidigungsgedanke, die Kampfkunst der alleinige Gedanke. WingTsun schien mir logischer als andere Stile und ich wollte keinen Kampfsport betreiben und auch keine Wettkämpfe machen.
Ich bin jemand, der nicht so gern im Mittelpunkt steht. Deshalb kamen große öffentliche Turniere oder Wettkämpfe für mich nicht in Frage. Außerdem schien mir WingTsun nicht so mit sinnlosen Traditionen belastet zu sein wie manche andere Kampfkunst.

Warum machst du immer noch WingTsun?

Weil es ein herausragendes persönliches Entwicklungsmedium darstellt und den Fleißigen belohnt, unabhängig davon, ob er dafür besonders talentiert ist oder nicht. Dauerhaftigkeit und bleibende Werte waren schon immer mein Ding. Auch, dass man in sehr hohem Maße an sich selbst arbeiten kann. Alle meine damaligen Lehrer sind heute nicht mehr aktiv, und die waren zum Teil talentierter oder schneller im Verstehen, aber eben labiler, was die Dauerhaftigkeit angeht.
Sie hatten alle ihre Zeit und Eigenschaften, verstanden WingTsun aber nicht als Lebensweg oder Leidenschaft, sondern eben als einen „Stil“, als etwas, dass sich nie ändert.
Seitdem ich direkt vom GM Kernspecht lernen darf, hat sich mein WT-Bild sehr gefestigt. Ich habe verstanden, dass WingTsun etwas Lebendiges ist und die Persönlichkeit spiegelt.

Welches war dein herausragendes WT-Erlebnis?

Natürlich damals die Ernennung zum Übungsleiter und damit der Einstieg in die Unterrichtstätigkeit. Dann das Bestehen den 1. TG und die Ernennung zum Sifu.

Was änderte sich für dich, als du den 1. HG bzw. den 5. MG erhalten hattest?

Rückblendend kann ich sagen, dass man mit dem 1. HG gar nichts weiß, bestenfalls sein WingTsun selbstverteidigungsfähig machte.
Gerade damals war die Ablauf-Euphorie sehr groß. Sektionen und Programme bzw. Abläufe davon schienen das Weiterkommen automatisch zu bewirken, was sich als falsch erwies.
Erst als alle Programme außer den Doppelmessern durchgespielt waren, wurden die Alternativen kleiner und stagnierten.
Den 5. MG erhielt ich im Jahre 2012. Erst jetzt, wo der Unterricht bei GM Kernspecht sich ein bisschen gesetzt hat und Ruhe eingekehrt ist, entsteht mehr und mehr ein Bild vom WT. Das ist für mich auch der Unterschied zwischen einem 1. HG und dem 5. MG. Der 1. HG hat so etwas wie eine technische Zeichnung in seiner Vorstellung. Der 5. MG sollte im Idealfall keine bestimmten, lieb gewonnenen Bewegungen realisieren wollen, was ein sehr hohes, lebenslanges Ideal zu sein scheint.
WT beginnt ab dem 5. MG – nicht automatisch mit der Graduierung, sondern mit dem Verständnis.